Familienessen

Geschmack ist keine Frage des Zufalls – so entstehen Vorlieben und Abneigungen

Mariella Ernährungswissen, Kinderernährung Leave a Comment

Geschmack ist nicht angeboren sondern gelernt! Schmecken lernen wir nämlich bereits vor der Geburt, während der Stillzeit und bei den ersten Bissen fester Nahrung.

Geschmack wird gelernt beim Familienessen

Zum Frühstück eine Käsesemmel, als Snack zwischendurch frittierte Skorpione. Danach zum Mittagessen ein Curry so feurig-scharf, dass man damit mit Leichtigkeit einen Waldbrand entfachen könnte und zum Abendessen frisch gekochte Pansensuppe.

Wenn es dir beim einen oder anderen Gericht den Magen umdreht, also beim bloßen Gedanken daran, dies zu verspeisen, liegt das nicht an der Speise selbst, sondern an deiner eigenen Herkunft. Was als „essbar“ angesehen wird, lernen wir im Laufe unseres Lebens. Genauso müssen wir auch erst einen eigenen Geschmack entwickeln.

Wir sind Gewohnheitstiere: Geschmack ist gelernt!

Der eigene Geschmack – also unsere Vorlieben und Abneigungen – sind nicht angeboren. Wir lernen bestimmte Geschmäcker zu mögen. Als Daumenregel gilt: Wir mögen das am liebsten, was wir am besten kennen. Beim einen oder anderen Gericht schwärmen daher oft sogar Seniorinnen und Senioren: „Das schmeckt genau wie bei Mama.“

Dieser Lernprozess läuft in mehreren Phasen unseres Lebens bzw. unserer frühen Kindheit ab. Dabei festigen sich unsere Essensvorlieben immer mehr bis wir als Erwachsene genau wissen was uns schmeckt und was nicht.

Hier liegt dann aber auch leider das Problem, wenn wir als Erwachsene unsere Ernährung umstellen wollen. Wir sind einfach Gewohnheitstiere und greifen schnell wieder zu den Lebensmitteln, die wir über Jahre und Jahrzehnte zu lieben gelernt haben.

Wieso wir 6-16 x probieren sollten bevor wir urteilen

Neue Lebensmittel, die wir noch nie probiert haben, lehnen wir vielleicht sofort ab. Ging es dir auch schon einmal so? Hast du aber schon einmal versucht, so ein Lebensmittel dennoch immer wieder einmal zu kosten? Es ist wirklich interessant aber irgendwann kann es vorkommen, dass diese Abneigung in eine Vorliebe umschlägt. Mir ging es so mit Koriander. Als ich mit 19 Jahren das erste Mal „diese komisch schmeckende Petersilie“ gekostet habe, finde ich den Geschmack verstörend. Leider oder zum Glück war Koriander damals Bestandteil eines Gerichtes das ich ansonsten sehr gerne in einem bestimmten Restaurant aß. Heute liebe ich Koriander.

In der ernährungswissenschaftlichen und ernährungspsychologischen Literatur findet man unterschiedliche Angaben ab wann sich Vorlieben entwickeln können. Die Studienergebnisse reicht von 6 x kosten bis 16 x mit dem Lebensmittel konfrontiert zu sein (kosten ist nicht jedes Mal notwendig). Das Fazit lautet jedenfalls: Nur weil etwas beim ersten Mal kosten nicht schmeckt, bedeutet dies nicht, dass es einem niemals schmecken wird.

Nun möchte ich dir aber einen Überblick über die verschiedenen Phasen geben, in denen sich unser Geschmack ausbildet.

1. Die Schwangerschaft: Wir schmecken bevor wir geboren werden

Noch lange bevor wir unseren ersten Bissen feste Nahrung löffeln, sind wir umgeben von einem Meer aus unterschiedlichen Geschmäckern – dezenten Nuancen und intensiven Geschmacksstoffen. Beschützt und von der hektischen Außenwelt unberührt, lernen wir bereits im Mutterleib die für die Familie typischen Speisen kennen. Während wichtige Nährstoffe direkt über die Nabelschnur transportiert werden, gelangen die Geschmacksmoleküle ins Fruchtwasser.

In einem ständigen Strom aus unterschiedlichen Aromen, der unsere empfindliche Zunge umfloss, waren wir bereits damals stille Teilnehmer an jedem Mahl. Wir lernten unterschiedliche Aromen kennen uns speicherten dazu eine Erinnerung in unserem Gedächtnis ab. Dies konnte tatsächlich in Studien nachgewiesen werden!

2. Die Stillzeit: Muttermilch als Träger des Familien-Geschmacks

Diejenigen unter uns, die darüber hinaus das Privileg genossen Muttermilch zu verköstigen, wurden weiterhin von unzähligen geschmacklichen Variationen stimuliert. Wahre Superschmecker waren wir damals, besaßen wir doch ca. 2,5-5 Mal mehr Geschmacksknospen als heute. Damit konnten wir kleinste Unterschiede im Aroma wahrnehmen. Außerdem lernten wir bereits den typischen Geschmack der Gerichte kennen, die später auf dem Esstisch für uns angerichtet wurde.

3. Das Beikostalter: Erste Bissen die den Geschmack prägen

Ob wir nun klassisch mit Babybrei aufwuchsen oder ausschließlich mit Finger Food versorgt wurden, eines steht fest: Das was wir zu essen bekamen beeinflusst unsere Essens-Entscheidungen bis heute.

Studien zeigen dies auf: Je vielfältiger die Nahrungsmittelauswahl in den ersten Lebensjahren ausgefallen ist, umso vielseitiger isst man als Erwachsener.

4. Das Kleinkindalter: Was schmeckt meinem Vorbild?

Während ein Baby so gut wie alles in den Mund steckt, sind Kleinkinder deutlich skeptischer. Mama und Papa aber auch Geschwister, Großeltern oder andere Bezugspersonen dienen als Vorbild wenn es ums Essen geht. Was die Großen mit vollem Genuss verschlingen muss ja auch gut schmecken oder?

Ob nun irgendjemand erklärt das etwas „angeblich gut schmeckt“ oder „gesund sei“ ist für ein Kleinkind komplett unerheblich. Die kleinen Lügendetektoren bekommen es sofort mit, wenn man es nicht ehrlich meint. Überredungen oder gar der Zwang etwas zu kosten bringen deshalb meist wenig und bewirken in den wenigsten Fällen, dass etwas gerne gegessen wird. Viel effektiver ist es deshalb genussvoll eine ausgewogene Ernährung vorzuleben.

Tipp: Du brauchst dafür aber ein bisschen (oder auch viel 😉 Geduld.

5. Kinder und Jugendliche: Die Freunde geben den Ton äh Geschmack an

Je älter ein Kind wird umso wichtiger wird was Freunde/Freundinnen sagen und tun. Darüber hinaus können Influencer auf Social Media zu großen Vorbildern werden. Das gilt auch fürs Essen. Fast Food spielt vielleicht plötzlich eine große Rolle oder eine sehr einseitige Ernährungsweise wird als Ideal angestrebt.

Nun aber die gute Nachricht: Auch wenn im Jugendalter die Ernährung „ein wenig aus dem Ruder läuft“ kehren die meisten Jugendlichen im frühen Erwachsenenalter wieder zu gewohnten Familien-Ernährung zurück.

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